Ich bin betrunken.

Ich tanze durch mein Badezimmer
und singe laut zu unser’m Lied,
benehm‘ mich wie’n besoffener Spinner
und merk‘ gar nicht, wie mir geschieht.

Dein T-Shirt ist das schönste Kleid,
das ich mir vorstellen kann
und ich trag‘ es auch jetzt
wenn ich ausgelassen umher tanz‘.

Die Schmetterlinge in meinem Bauch
kribbeln und hippeln im Takt,
verdammt, kaum zu glauben,
wie glücklich du mich machst.

Die Haare trag‘ ich heute wild
und ich strahle wie verrückt,
nichts, was mir fehlt und
nichts, das mich bedrückt.

Ich bin ein Honigkuchenpferd
umgeben von bunten Regenbogen,
fast am Durchdrehen, weil betrunken,
betrunken von der Liebe,
so unglaublich liebestrunken.

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Ich hab‘ nichts zu verlieren.

Ich hab‘ Angst davor, jemanden zu enttäuschen –
dich, die anderen und mich.
Erwisch‘ mich oft beim Vortäuschen
von etwas, das ich gar nicht bin.

Ich hab‘ Angst davor,
den Erwartungen nicht gerecht zu werden,
dir, euch und mir selbst nicht zu genügen,
nicht der Mensch zu sein, der ich gern wär‘
und mir selbst etwas vorzulügen.

Ich hab‘ Angst davor, hinzufallen und am Boden festzukleben,
nicht mehr hochzukommen und mich rauszureden,
liegen zu bleiben und mich selbst zu verlieren,
bevor ich mich überhaupt erst finden konnte.

Ich hab‘ Angst davor, etwas zu riskieren
und dir zu sagen, wie sehr ich dich mag,
weil die Möglichkeit besteht, zu verlieren
und deine Reaktion mich vielleicht fertig macht.

Ich versuch‘ den Balanceakt zu meistern
zwischen Dazugehören und Selbstakzeptanz.
Versuche nicht mehr, Widerstand zu leisten
gegen die, die ich bin und die ich nicht ändern kann.

Inzwischen komm‘ ich zu dem Schluss,
dass ich mich für niemanden verbiegen oder ändern muss.
Bin einfach ich, was soll schon passieren?
Außer mir selbst hab‘ ich nichts zu verlieren.

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Gedankenpause.

Kopfschmerzen von zu viel befürchten,
vermuten, abwägen und zu viel denken.
Manchmal tut es gut, sich abzulenken
und die eigene Aufmerksamkeit
anderen Dingen zuzuwenden.

Also ziehen wir los, durch die Nacht
und folgen der dröhnenden Musik,
die uns heute magisch anzieht.

Wir wippen und tippeln
mit hippesten Schritten
zu den verstrahltesten Rhythmen,
Discokugel- und Knicklichtlichter
wirbeln im Bewusstseinstrichter,
wir shufflen und steppen
zu lautesten Bässen
so lang‘ bis wir vergessen,
warum wir uns vorher
den Kopf zerbrochen haben.

Alles, was du tun musst,
ist ein bisschen tanzen,
du brauchst keine Drogen,
um die vielen und ganzen
verpassten Chancen
und viel zu oft gedachten Gedanken
heute mal zu ignorieren
und die Serotoninausschüttung
ein bisschen hoch zu regulieren.

Kopf offline,
nur heute Nacht,
morgen wieder online
und sobald der Tag erwacht
Vernunft zurück an die Macht.

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Model: die liebe Aybike 🙂

Unterbrochene Funkstille.

„Du frierst ja richtig“, sagt er, als er mit der Hand ausversehen ihren Arm berührt.
„Naja, es geht“, antwortet sie ein wenig schüchtern. Als er ihr dann seine Jacke gibt, fühlt sie sich erinnert an die Achtklässlerin, deren bester Freund er einmal war. Seit beinahe zwei Jahren hatte sie rein gar nichts von ihm gehört. Und seit beinahe vier Jahren hatten die beiden nicht mehr wirklich viel miteinander zu tun gehabt. Funkstille. Doch dann taucht er heute auf einmal auf der Geburtstagsparty eines ehemaligen Klassenkameraden der beiden auf.

„Ich weiß, du hast vermutlich wieder mehrere Stunden vor dem Spiegel gestanden, um deine Haare zu glätten, weil du die Locken nicht magst, die du eigentlich hast“, sagt er als er sie mit Wasser bespritzt und sie schon den Mund geöffnet hatte, um sich bei ihm zu beschweren. Ein wenig verdattert schließt sie den Mund wieder, weil sie sich daran erinnert, wie viel die beiden eigentlich voneinander wissen.

Sie fragt sich den ganzen Abend, ob sie ihn vielleicht sogar vergessen hatte. Aber vermutlich musste sie sich damals einfach damit abfinden, dass die Freundschaft der beiden das Scheitern einer Beziehung nicht verkraftet hatte, so schwer es ihr auch fiel. Doch irgendwann hatten die beiden sich so weit voneinander entfernt und der Kontakt war insofern verebbt, dass sie die Tatsache stumm akzeptierten, nicht mehr befreundet zu sein. Und dann ging die Schule zu Ende und sie verschwand aus seinem Blickfeld – und er aus ihrem.

„Du bist immer die Kleine. Du wirst immer die Kleine bleiben, vielleicht auch irgendwann die kleine Große, aber trotzdem klein.“
Er trägt heute Abend dieses Grinsen, das so typisch für ihn ist. An diesem Grinsen hätte sie ihn immer erkennen können.
„Na vielen Dank auch.“ Sie grinst zurück.

Ein paar Stunden später geht die Sonne langsam auf und die Partygäste, die bis jetzt geblieben sind, nicken langsam auf der Couch ein. Sie hatte den ganzen Abend neben ihm gesessen und sich an ihn gelehnt. Sie genießt die allgegenwärtige Vertrautheit zwischen den beiden, die auch nach über zwei Jahren Funkstille noch so präsent ist.
„Du bist aber gerade auch ganz schön fertig, ich seh’ deine Augenränder“, sagt er als er ihr Gesicht packt und mit seinem Daumen unter ihrem linken Auge entlang fährt.
„Was wäre ich ohne meine Augenränder“, antwortet sie mit einem Schmunzeln. Er schüttelt leicht den Kopf, immer noch grinsend.

„Wir wollen jetzt gehen, kommst du?“, sagt sein Kumpel.
„Jetzt schon? Ich wollte das hier noch leer machen“, sagt er und hält das geöffnete Bier in seiner Hand hoch. Sie merkt ihm an, dass er noch nicht gehen will. Und wenn sie ehrlich ist, muss sie sich eingestehen, dass sie das auch nicht möchte. Er verabschiedet sich von jedem einzelnen Gast, ganz zum Schluss dann auch von ihr.
„Mach’s gut, aber das machst du ja sowieso“, sagt er als die beiden ein wenig länger als gewöhnlich in einer Umarmung verharren. Sie gibt ihm die Jacke zurück.
„Du auch.“