Unterbrochene Funkstille.

„Du frierst ja richtig“, sagt er, als er mit der Hand ausversehen ihren Arm berührt.
„Naja, es geht“, antwortet sie ein wenig schüchtern. Als er ihr dann seine Jacke gibt, fühlt sie sich erinnert an die Achtklässlerin, deren bester Freund er einmal war. Seit beinahe zwei Jahren hatte sie rein gar nichts von ihm gehört. Und seit beinahe vier Jahren hatten die beiden nicht mehr wirklich viel miteinander zu tun gehabt. Funkstille. Doch dann taucht er heute auf einmal auf der Geburtstagsparty eines ehemaligen Klassenkameraden der beiden auf.

„Ich weiß, du hast vermutlich wieder mehrere Stunden vor dem Spiegel gestanden, um deine Haare zu glätten, weil du die Locken nicht magst, die du eigentlich hast“, sagt er als er sie mit Wasser bespritzt und sie schon den Mund geöffnet hatte, um sich bei ihm zu beschweren. Ein wenig verdattert schließt sie den Mund wieder, weil sie sich daran erinnert, wie viel die beiden eigentlich voneinander wissen.

Sie fragt sich den ganzen Abend, ob sie ihn vielleicht sogar vergessen hatte. Aber vermutlich musste sie sich damals einfach damit abfinden, dass die Freundschaft der beiden das Scheitern einer Beziehung nicht verkraftet hatte, so schwer es ihr auch fiel. Doch irgendwann hatten die beiden sich so weit voneinander entfernt und der Kontakt war insofern verebbt, dass sie die Tatsache stumm akzeptierten, nicht mehr befreundet zu sein. Und dann ging die Schule zu Ende und sie verschwand aus seinem Blickfeld – und er aus ihrem.

„Du bist immer die Kleine. Du wirst immer die Kleine bleiben, vielleicht auch irgendwann die kleine Große, aber trotzdem klein.“
Er trägt heute Abend dieses Grinsen, das so typisch für ihn ist. An diesem Grinsen hätte sie ihn immer erkennen können.
„Na vielen Dank auch.“ Sie grinst zurück.

Ein paar Stunden später geht die Sonne langsam auf und die Partygäste, die bis jetzt geblieben sind, nicken langsam auf der Couch ein. Sie hatte den ganzen Abend neben ihm gesessen und sich an ihn gelehnt. Sie genießt die allgegenwärtige Vertrautheit zwischen den beiden, die auch nach über zwei Jahren Funkstille noch so präsent ist.
„Du bist aber gerade auch ganz schön fertig, ich seh’ deine Augenränder“, sagt er als er ihr Gesicht packt und mit seinem Daumen unter ihrem linken Auge entlang fährt.
„Was wäre ich ohne meine Augenränder“, antwortet sie mit einem Schmunzeln. Er schüttelt leicht den Kopf, immer noch grinsend.

„Wir wollen jetzt gehen, kommst du?“, sagt sein Kumpel.
„Jetzt schon? Ich wollte das hier noch leer machen“, sagt er und hält das geöffnete Bier in seiner Hand hoch. Sie merkt ihm an, dass er noch nicht gehen will. Und wenn sie ehrlich ist, muss sie sich eingestehen, dass sie das auch nicht möchte. Er verabschiedet sich von jedem einzelnen Gast, ganz zum Schluss dann auch von ihr.
„Mach’s gut, aber das machst du ja sowieso“, sagt er als die beiden ein wenig länger als gewöhnlich in einer Umarmung verharren. Sie gibt ihm die Jacke zurück.
„Du auch.“

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Ich lass‘ mich immer noch blenden.

Selbst wenn ich die Nase voll von dir hab’,
weiß ich ganz genau, wie du riechst
und drück’ ich mein Gesicht in dein Kopfkissen
ist es so, als ob du immer noch neben mir liegst.
Trotz Ohropax ist deine Stimme so laut,
weil sie in meinem Kopf immer noch klingt.
Und auch mit geschlossenen Augen und Schlafmaske
will es mir heute wieder nicht gelingen,
die Diashow von dir in meinem Kopf zu beenden
und ich muss einsehen – ich lass’ mich immer noch blenden.

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Lass uns so tun, als würde es ein „für immer“ geben.

Lass uns heute mitten in der Nacht zu Mc Donald’s fahren
und unsere Liebe mit fettigen Pommes besiegeln.
Weiterziehen zum Fotoautomaten an der Eberswalder –
ich check’ nur schnell mein Make-Up in dem versifften Spiegel.

Wir haben die Ringe aus dem Kaugummiautomaten bei Kaiser’s dabei
und tanzen durch die Nacht, mit den Fotos in der Hand,
schon zerknickt, obwohl gerade erst gemacht – mit zerzausten Haaren,
aber dafür hat unser Strahlen die größte Überzeugungskraft.

Schließlich finden wir uns wieder auf diesem Dach in Schöneberg
und genießen den Blick über unser zu Hause, die großartige Stadt.
Wir sitzen auf dem Boden, teilen uns eine Tüte Gummibären
und können uns nicht vorstellen, dass uns irgendwas glücklicher macht.

Jede neue Nacht ist so wie heute, lass uns das mal einreden.
Lass uns ignorieren, dass sich alles verändert
und so tun, als würde es ein „für immer“ geben.

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Du hast und ich hab‘.

Du hast mich
eingeschüchtert und verletzt,
mehr als einmal versetzt
und trotzdem immer beteuert,
dass ich dir wichtig bin.

Du hast mich
gestreichelt, in den Arm genommen,
mir das Gefühl gegeben, du hättest
mich irgendwie lieb gewonnen
und dich dann trotzdem
nur noch selten gemeldet.

Ich hab‘ dich
erst ganz nett gefunden
und in nur wenigen Sekunden
schlug das dann irgendwie
in Verliebtheit um.

Ich hab‘ mich
komplett abhängig von dir gemacht,
Stunden in Gedanken an dich verbracht
und dann hab‘ ich irgendwann
gemerkt, dass ich
nicht mehr kann.

Ich hab‘ mir
jedes Mal vorgenommen,
es wird nicht wieder vorkommen,
dass ich mich weichklopfen lasse
von deinen leeren Versprechen
und Entschuldigungen.

Ich hab‘ dich
trotzdem immer wieder getroffen,
denn es gab ja immer noch zu hoffen,
dass du es tatsächlich
Ernst meinst.

Ich hab‘ mich
ohne Vorwarnung und Erklärung,
Entschuldigung oder Lösung
aus dem Staub gemacht
und mich als Erste
nicht mehr gemeldet.

Ich hab‘ dann
erwartet, dass du nachfragst,
dich vielleicht sogar beklagst,
dass ich dich anschweige.

Aber du hast mir nicht geschrieben.
Und ich hab dir nicht geschrieben.

Nun wissen wir beide nicht, warum
und kennen nicht den Grund
dafür, dass wir beide
keine Chance mehr haben.

Ich fühl‘ mich so frei.

Ich wollte immer so unglaublich viel
und am meisten wollte ich dich.
Aber weil ich dich so sehr wollte,
verlor’ ich irgendwann mich.
Konnte nicht mehr richtig atmen,
denn du trübtest meine Sicht.
Schließlich verlor ich mich in ewigem Warten
und Endlosschleifengedanken an dich.

Irgendwann beschloss ich,
mich aus meiner Abhängigkeit zu befreien.
Ich konnte dich nie richtig vergessen,
aber lernte, ohne dich zu sein.
Die Suche nach dir gab ich auf,
auch wenn ich wusste, ich wär’ immer Dein,
lehnte mich zurück und zählte Sterne
und fühlte mich plötzlich nicht mehr allein.

Als ich dich losließ, war die Suche eingestellt,
dafür hatte ich mich zurückgewonnen
und eine Erkenntnis, die für immer hält:
Vor lauter Habgier war ich blind
und wollte immer nur dich,
doch je angestrengter ich wollte,
umso mehr bekam ich nichts.

Als ich dann aufhörte, zu wollen,
befreite sich meine Sicht,
auf dich, auf uns und auch auf mich.
Seitdem suche ich nicht mehr
und mein Kopf ist so leicht,
ich schau’ in den Himmel
und fühl’ mich so frei.

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Photo credits an Paula! (instagram: fraupaulie)