Bin ja nicht so.

Vielleicht verrate ich dir sogar, wo ich wohne. Vielleicht bekommst du auch meinen Ersatzschlüssel. Wahrscheinlich
werde ich nicht da sein, wenn du kommst. Aber du kannst in Ruhe meine Badewanne benutzen und versuchen, nicht
an meinem Lachen zu ertrinken. Wenn du Glück hast und ich einen guten Tag habe, komme ich vielleicht sogar recht-
zeitig nach Hause und helfe dir aus der Badewanne heraus. Bin ja nicht so.

 

Ein kleines Stückchen Glück.

Lebhafte Gespräche führen, bei einem Glas Wein,
laut lachen, am Küchentisch zu zweit.
Gutes Essen genießen, ohne auf die Kalorien zu achten,
durchgedreht und liebestrunken durch die Gegend tanzen.
Das Lieblingslied mit einem breiten Grinsen mitsingen,
alle damit anstecken und zum Mitmachen bringen.

Genießen und nicht zweifeln,
weniger meckern und mehr schmeicheln.

Ein kleines Stückchen Glück,
für dich, für mich,
für uns, für euch –
jeden Tag.

Ich fühl‘ mich so frei.

Ich wollte immer so unglaublich viel
und am meisten wollte ich dich.
Aber weil ich dich so sehr wollte,
verlor’ ich irgendwann mich.
Konnte nicht mehr richtig atmen,
denn du trübtest meine Sicht.
Schließlich verlor ich mich in ewigem Warten
und Endlosschleifengedanken an dich.

Irgendwann beschloss ich,
mich aus meiner Abhängigkeit zu befreien.
Ich konnte dich nie richtig vergessen,
aber lernte, ohne dich zu sein.
Die Suche nach dir gab ich auf,
auch wenn ich wusste, ich wär’ immer Dein,
lehnte mich zurück und zählte Sterne
und fühlte mich plötzlich nicht mehr allein.

Als ich dich losließ, war die Suche eingestellt,
dafür hatte ich mich zurückgewonnen
und eine Erkenntnis, die für immer hält:
Vor lauter Habgier war ich blind
und wollte immer nur dich,
doch je angestrengter ich wollte,
umso mehr bekam ich nichts.

Als ich dann aufhörte, zu wollen,
befreite sich meine Sicht,
auf dich, auf uns und auch auf mich.
Seitdem suche ich nicht mehr
und mein Kopf ist so leicht,
ich schau’ in den Himmel
und fühl’ mich so frei.

 

 

 

 

„Sei dankbar“-Challenge.

Ich habe mich der „Sei dankbar“-Challenge angeschlossen, ins Leben gerufen von Goldenmelancholy. Nach vierzehn Tagen heute also meine Antworten:

Tag 1: Für welches Buch bist du dankbar?
The Great Gatsby von F. Scott Fitzgerald ist für mich ein Buch, das ein unglaublich gutes Porträt der verschwenderischen Manier der Goldenen Zwanziger entwirft. Außerdem zeigt es die materialistisch orientierte Gesellschaft, mit einigen Charakteren, die sich nicht darum scheren, wen sie mit ihrem Verhalten verletzen.
Das zeigt eines meiner Lieblingszitate aus dem Buch:
They were careless people, Tom an Daisy – they smashed up things and creatures and then retreated back into their money or their vast carelessness, or whatever it was that kept them together, and let other people clean up the mess they had made.

Tag 2: Für welche Fähigkeit bist du dankbar?
Für die Tatsache, dass ich mich auch an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen kann.

Tag 3: Für welche Tradition bist du dankbar?
Seit ich denken kann, spiele ich an Weihnachten Singstar mit meiner Cousine. Früher die ganze Nacht durch, heute zumindest noch ein paar Stunden – unsere eigene kleine Tradition.

Tag 4: Für welche Kleinigkeit bist du dankbar?
Wenn Aybike mir selbstgemachte Pancakes vorbeibringt oder Kathi Süßigkeiten für mich nach Hannover bringen lässt. Oder wenn Edina mir ein Lied und ein paar aufmunternde Worte schickt. Kurz: wenn mir Freunde mit kleinen Aufmerksamkeiten zeigen, dass sie an mich denken.

Tag 5: Für welche Person in deinem Leben bist du dankbar?
Hier kann ich mich leider nicht auf eine einzige Person beschränken. Ich bin für meine Eltern dankbar, weil sie immer für mich da sind. Für Aybike, weil ich ohne sie das erste Studienjahr nicht überlebt hätte. Für Edina, weil sie mir Mut macht und an mich glaubt. Und für Kathi, weil sie mir Aufmunterungen nach der Trennung von meinem Freund nach Hause bringt und sich jeden noch so nervigen Scheiß mindestens zehntausend Mal anhört, ohne sich zu beschweren.

Tag 6: Für welchen Song bist du dankbar?
Phantomschmerz von Yvonne Catterfeld.

Tag 7: Für welchen Ort bist du dankbar?
Die Eilenriede in Hannover. Ich habe sie erst so spät wirklich entdeckt, mich dann aber umso schneller in sie verliebt.

Tag 8: Für welches Nahrungsmittel bist du dankbar?
Oreo!

Tag 9: Für welche Farbe bist du dankbar?
Rot.

Tag 10: Für welche Erinnerung bist du dankbar?
Für die Erinnerung an meine Sprachreise nach Brighton.

Tag 11: Für was aus der Natur bist du dankbar?
Bäume.

Tag 12: Für welches Wissen bist du dankbar?
Das Wissen, dass es Menschen gibt, die mich lieben und schätzen.

Tag 13: Für welches deiner Talente bist du dankbar?
Für meine Begabung für Sprachen.

Tag 14: Für welchen Moment aus der letzten Woche bist du dankbar?
Letzte Woche, als Aybike mitten in der Nacht mit mir zu Burger King gefahren ist und wir danach zusammen einen Mindfuck-Film auf der Couch gesehen haben.

Ich häng‘ ein paar Lichter für dich auf.

Wenn es um dich herum immer dunkler wird
und du dich in deinen eigenen Gedanken verirrst,
du deine Hoffnung irgendwie verlegt hast
und dich nicht mehr erinnern kannst,
dass positiv denken eigentlich Spaß macht,
häng’ ich ein paar Lichter für dich auf
und hol‘ dich aus dem Loch heraus,
in dem du zu versinken drohst,
denn das Leben ist nunmal zu kurz,
um immer nur schwarz zu sehen
und den Fehler zu begehen,
die Lichter zu ignorieren
und sich im Dunkeln zu verlieren.

 

Wellen.

Der Schmerz kam immer in Wellen. Als sie die erste Welle überstanden hatte, dachte sie, nun mit ihm abgeschlossen zu haben. Doch als die zweite Welle sie erwischte, ganz unerwartet, eiskalt und mit einem brutalen Ruck, der ihr den Boden unter den Füßen wegriss, wurde ihr klar, dass sie wohl noch eine Weile gegen die Wellen zu kämpfen hatte. Einige Wellen waren milder, schwächer und nur wie eine kleine Erinnerung daran, dass er noch da war, der Schmerz. Andere Wellen hingegen erschütterten sie bis ins tiefste Mark und ließen sie verstört und verloren zurück. Wie lange es auch dauerte, sie schaffte es nach jeder Welle, wieder aufzustehen und ihr Gleichgewicht zurückzugewinnen. Aber egal, wie viel Sicherheitsabstand sie auch hielt, ganz entkommen konnte sie den Wellen nicht.

Die Zeitmaschine kann ich auch morgen bauen.

Lass uns heute mal die meterlange To-Do-Liste vergessen,
Eis essen, Unsinn reden und Spaß haben stattdessen.
Lass uns ignorieren, dass wir Zeit verlieren,
weil wir heute eben mal nicht produktiv sind.

Nicht jedes Wort muss zielführend sein oder innovativ
und nicht jeder Gedankengang effektiv.
Lass uns heute mal genießen, das Hier und Jetzt,
nicht nur an den Fortschritt denkend
und das Nützlichkeitsdenken ausgesetzt.

Höher, schneller, weiter, die Erwartungen sind hoch.
Nur heute eine kleine Pause, dann geht’s los,
denn Zeit verlieren wir nicht, indem wir unproduktiv sind,
sondern indem die To-Do-Liste die Oberhand gewinnt
und wir nicht mehr tun, wozu wir Lust haben.

Die Zeitmaschine kann ich auch morgen bauen.

Die beiden.

Die beiden standen an dem kleinen Strand in Limone am Gardasee. Nach einem gefühlten Marathon durch die brennende Hitze, die sich zwischen den Gebäuden des kleinen Ortes gestaut hatte, fanden sie, wonach sie gar nicht unbedingt gesucht hatten. Ihre eigene, kleine Oase. Kein Mensch dort, weit und breit, nur die beiden. Er legte seine Hände auf ihre Hüfte und zog sie sanft zu sich heran. Die Blicke der beiden verschmolzen, so sehr, dass sie die schweren Taschen abgelenkt in den heißen Sand fallen ließen. Und sie mussten grinsen, auch wenn es eigentlich keinen besonderen Grund dazu gab. Trotzdem zeichnete sich auf ihren Lippen das wohl herzlichste Lächeln ab, das er je gesehen hatte. Er liebte dieses Lächeln, fast so sehr wie ihre strahlenden Augen. Die beiden hätten sich auch in einem kleinen, heruntergekommenen Motelzimmer befinden können, ihre Gesichtsausdrücke wären dieselben gewesen. Denn sie waren zusammen, das war alles, was zählte. Und die beiden dachten, dass diese eine Sache sich nie ändern würde. Sie dachten nicht nur, sie gingen fest davon aus, dass es die beiden für immer geben würde.

Sie hat die gemeinsamen Fotos noch auf ihrem Laptop, weil sie die Erinnerungen nicht löschen wollte, schaut sie sich aber nie an. Er hat den Chat mit ihr noch auf seinem Handy, was jedoch mehr seiner Unachtsamkeit geschuldet ist, als dem Wunsch, wieder mit ihr Kontakt aufzunehmen. Die beiden waren im Streit auseinander gegangen. Es hatte keinen Gewinner und keinen Verlierer gegeben, nur zwei gebrochene Herzen und zerschmetterte Zukunftspläne.

Die beiden haben die gleichen Freunde und gehen auf die gleichen Parties, aber sie wechseln nie ein Wort miteinander. Sie sitzen mit ihren neuen Partnern auf derselben Couch und spielen dieses Spiel, in dem sie sich wie zwei Fremde behandeln. Obwohl die beiden mehr übereinander wissen als jeder andere, führen sie ihr Leben fort, als hätte es die beiden nie gegeben. Jeder für sich, nicht mehr zu zweit und nicht mehr geteilt. Weder sie, noch er möchte die beiden wiederhaben. Denn sie hat sich verändert und er hat sich verändert. Und weder sie, noch er kann sich vorstellen, dass sie ernsthaft einmal dachten, es würde die beiden für immer geben.

Inzwischen sind sie vorsichtig mit den zwei Wörtern. Denn für immer musste wirklich sehr lang sein, wenn nicht einmal die beiden es geschafft hatten.

 

Sich emotional zu entblößen, ist echt angsteinflößend.

Ich liebe dich, hab‘ ich so oft gedacht und nie gesagt und mich stattdessen viel zu oft gefragt, was passiert und wie du reagierst, wenn ich das jetzt wage und dir einfach in die Augen schaue und sage, da ist noch ein bisschen mehr, ich mag dich nicht nur sehr, ich bin verrückt nach dir und hab’ Angst, dass ich dich verlier’.

Aber ich wollte nicht den Eindruck wecken, dass ich anfange zu kletten, wollte nicht, dass du denkst, mit mir wär’s kompliziert, wollte vermeiden, dass du registrierst, dass ich mir viel zu oft den Kopf über dich zerbreche, dass ich nach deiner Aufmerksamkeit lechze und nicht schlafen kann, weil du dich wieder nicht gemeldet hast, obwohl du bei unserem letzten Treffen beinahe und fast, den Eindruck erweckt hast, ich bin dir besonders wichtig, aber so ganz richtig, konnte ich das nie einschätzen, nicht so wirklich die Aussage deuten zwischen deinen Sätzen und verstehen, was du vielleicht meinst, aber nicht laut sagst.

Und eigentlich kenne ich dich so gut, aber ich hatte nie den Mut, die Situation aufzuklären, trotzdem denk’ ich daran, wie schön wir beide gewesen wären, so als Paar und nicht nur als Affäre und wie traumhaft schön das Leben mit dir gewesen wäre.

Vielleicht hast du genauso über mich gedacht wie ich über dich, aber nie etwas gesagt und ich hab dich dummerweise auch nie danach gefragt, vielleicht mochtest du mich auch und hast dich so wie ich einfach nicht getraut, den Mund aufzumachen und etwas zu sagen, mich anzuschauen und mich zu fragen, was ich von dir halte und wohin das führen soll, vielleicht dachtest du auch, du und ich, das wär’ schon toll.

Vielleicht hat es nicht geklappt, weil wir Angst hatten, unsere Gefühle offen zu präsentieren, weil wir Angst hatten, zu verlieren und befürchtet haben, das Falsche zu sagen, denn einmal gesagt können wir die Worte nicht mehr zurück nehmen und noch einmal einen Schritt zurück gehen und wenn wir springen, können wir nur landen oder hinfallen, uns abfangen oder volle Kanne aufs Gesicht knallen.

Vielleicht war ich dir auch einfach egal und du hast nie so viel an mich gedacht, wie ich es mir gewünscht hab’, vielleicht war’s von deiner Seite auch nur ein Spiel und ganz und gar nicht so viel, wie ich da manchmal reininterpretier’, wenn ich die Kontrolle über meine Gedanken verlier’.

Ich hab’ nur leider nie erfahren, was du wirklich gedacht und wie du’s so über den Tag geschafft hast, als dann Funkstille war, weil ich’s nicht mehr ausgehalten habe, dass ich mich ständig frage, ob du dich nochmal meldest oder nicht, ob ich dich nochmal sehe oder du mich vergisst und ob du mich mehr magst als nur ein wenig und im Nachhinein muss ich sagen ich versteh‘ nicht, warum es so schwer war, die Filterfunktion zwischen Kopf und Mund zu deaktivieren, denn eigentlich hatte ich nichts zu verlieren.

Nichts zu sagen hat nicht viel gebracht, dabei hab‘ ich immer gedacht, wenn ich dich nicht zu sehr nerve und die Coole spiele, dass ich dich dann bestimmt nicht verliere und du es zu schätzen weißt, dass ich für dich in den sauren Apfel beiß’. Aber du wusstest ja nie, dass es überhaupt einen sauren Apfel gab, denn ich hab‘ nie etwas getan, das dir gezeigt haben könnte, wie viel du mir bedeutest, die Gedanken waren nur in meinem Kopf so laut, aber sie laut auszusprechen habe ich mich nie getraut.

Lieber gehe ich davon aus, dass das mit dir und mir sowieso nicht klappt, weil ich es nicht schaff’, meine Vermutungen auf ihren Wahrheitsgehalt zu kontrollieren und es bevorzuge, vor mich hinzustieren und mich mit etwas abzufinden, von dem ich mir nicht mal sicher sein kann, ob es wirklich stimmt, denn die Grundlage dieses Halbwissens ist nur darauf getrimmt, möglichst nicht zu viel zu zeigen und zu geben, um zu vermeiden, am Ende dumm da zu stehen.

Mein Schatten war zum Rüberspringen wahrscheinlich einfach zu groß und mein eigener Stolz zu präsent und ich dachte mir, eh ich mich hier in irgendetwas Merkwürdigem verrenn’, kann ich’s auch dabei belassen, wie es ist, weil du offensichtlich nicht wie ich so emotional abhängig bist. Aber statt zu viele Gedanken daran zu verschwenden, was du denkst und alles zu zerdenken, wär’s besser gewesen, die Maske abzulegen und einfach mit dir darüber zu reden. Vielleicht war ich mir auch einfach nicht sicher, ob du es wert bist, den Sprung zu wagen, aber so viel wie ich darüber nachgedacht habe, ist das eigentlich keine Frage.

Ich denke immer so viel und sagen tue ich dann so wenig oder nichts, ich glaub’, ich hab’ einfach zu viel Schiss, wie es ankommt, wenn ich sage, was ich wirklich fühle und dann denk’ ich, dass ich vielleicht lieber lüge, auch wenn ich mich dann selbst betrüge, nur um meinem Gegenüber und besonders dir besser zu gefallen und cool zu scheinen, mich nicht schwach zu zeigen und Gefahr zu laufen, auf einen harten Boden zu knallen.

Niemand will sich verletzlich und angreifbar zeigen, deshalb kennen wir von uns gegenseitig auch nur die Seiten, die stark sind und selbstbewusst, die Seiten, die man mögen muss, aber sich auch mal echt zu geben und sich emotional zu entblößen, kann, auch wenn erst echt angsteinflößend, eine Bereicherung sein.

 

 

Wir sind am Leben.

Lass mal verrückt sein
und ne neue Relativitätstheorie erfinden,
lass alles auf Zettel schreiben,
die wir dann nie wieder finden,
lass verrückte Pläne machen,
die wir niemals umsetzen
und ne Revolution planen,
bei der wir uns selbst verpetzen.
Lass inspirierende Gespräche kreieren
und uns in gedachten Träumen verlieren,
in die Welt hinaus schreien, was wir denken
und unsere Gedanken einfach mal umlenken.

Am Küchentisch sitzend
planen wir die Weltherrschaft.

Lass mal heute emotionsgeladen sein
und den ganzen Tag nur Unsinn reden.
Heute kriegt uns keiner klein,
denn wir sind am Leben.