Sorglos.

Textfund aus dem Winter 2015

Sorglos tanz‘ ich durch die Nacht,
hab‘ meine Schuhe in der Hand,
merk‘ den kalten Boden
unter meinen Füßen.

Mein Atem wird zu Rauch
in dieser kalten Winternacht,
alles schläft,
noch keiner wach.

Stille umgibt mich, doch glücklicher
könnt‘ ich im Moment nicht sein,
hak‘ mich bei dir ein
und lauf‘ der Sonne entgegen.

Frei will ich sein
und das kann ich jetzt
in dieser Winternacht.
Atme ein,
atme aus
bis die Stadt erwacht.

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Gedankenpause.

Kopfschmerzen von zu viel befürchten,
vermuten, abwägen und zu viel denken.
Manchmal tut es gut, sich abzulenken
und die eigene Aufmerksamkeit
anderen Dingen zuzuwenden.

Also ziehen wir los, durch die Nacht
und folgen der dröhnenden Musik,
die uns heute magisch anzieht.

Wir wippen und tippeln
mit hippesten Schritten
zu den verstrahltesten Rhythmen,
Discokugel- und Knicklichtlichter
wirbeln im Bewusstseinstrichter,
wir shufflen und steppen
zu lautesten Bässen
so lang‘ bis wir vergessen,
warum wir uns vorher
den Kopf zerbrochen haben.

Alles, was du tun musst,
ist ein bisschen tanzen,
du brauchst keine Drogen,
um die vielen und ganzen
verpassten Chancen
und viel zu oft gedachten Gedanken
heute mal zu ignorieren
und die Serotoninausschüttung
ein bisschen hoch zu regulieren.

Kopf offline,
nur heute Nacht,
morgen wieder online
und sobald der Tag erwacht
Vernunft zurück an die Macht.

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Model: die liebe Aybike 🙂

Lass uns so tun, als würde es ein „für immer“ geben.

Lass uns heute mitten in der Nacht zu Mc Donald’s fahren
und unsere Liebe mit fettigen Pommes besiegeln.
Weiterziehen zum Fotoautomaten an der Eberswalder –
ich check’ nur schnell mein Make-Up in dem versifften Spiegel.

Wir haben die Ringe aus dem Kaugummiautomaten bei Kaiser’s dabei
und tanzen durch die Nacht, mit den Fotos in der Hand,
schon zerknickt, obwohl gerade erst gemacht – mit zerzausten Haaren,
aber dafür hat unser Strahlen die größte Überzeugungskraft.

Schließlich finden wir uns wieder auf diesem Dach in Schöneberg
und genießen den Blick über unser zu Hause, die großartige Stadt.
Wir sitzen auf dem Boden, teilen uns eine Tüte Gummibären
und können uns nicht vorstellen, dass uns irgendwas glücklicher macht.

Jede neue Nacht ist so wie heute, lass uns das mal einreden.
Lass uns ignorieren, dass sich alles verändert
und so tun, als würde es ein „für immer“ geben.

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Erwachsen.

Hannover, 2015.
Neue Stadt, neuer Lebensabschnitt, neue Herausforderungen, die erste eigene Wohnung. Aus der Geborgenheit meines bisherigen Lebens in Berlin gerissen, fühle ich mich irgendwie überfordert. Ich habe noch nie eine Waschmaschine angeschlossen, Lampen an der Decke angebracht oder vor einem leeren Kühlschrank gestanden. Zwischen den unzähligen Kartons auf dem Boden sitzend, weiß ich nicht, wo ich anfangen soll.

In diesem Moment ahne ich noch nicht, dass im folgenden Jahr viele ähnliche Momente auf mich zukommen sollen. Momente, in denen ich nicht weiß, was zu tun ist, in denen ich mich hilflos und unselbstständig fühle.

Hannover, 2017.
Inzwischen bin ich Meister im Aufbauen von Ikea Möbeln, weiß wie man einen Korkenzieher richtig benutzt, die Staubsaugertüte wechselt und eine Steuererklärung macht. Ich habe Versicherungsdeutsch gelernt und verstanden, dass Bürokratie zum Leben gehört. Erkannt, dass Dinge wie Miete oder Semesterbeitrag zahlen keinen Aufschub dulden. Und begriffen, dass manchmal Arbeit vor Vergnügen kommen muss.

Bin ich deshalb jetzt erwachsen?

Ich bin immer noch dieselbe Person wie vor knapp zwei Jahren in meinem Berliner Kinderzimmer, manchmal unvernünftig und überdreht, launisch oder faul. Auf mich selbst gestellt und mich auf mich selbst verlassend, bin ich vielleicht ein bisschen reifer geworden. Aber ich bin Ich geblieben, mit denselben Macken, die ich schon mit vierzehn hatte.

Und wenn wir ehrlich sind, stellen wir fest, dass wir im Kopf die Kinder geblieben sind, die wir einmal waren oder immer noch sind. Erwachsen? Das sind nicht mal die Erwachsenen.

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Berlin I 16. Geburtstag I Blond.

 

 

 

 

 

 

 

 

Home is where the heart is.

Und auf einmal rutscht mir das Herz in die Hose. Moment, das war später.

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Mein Tag startet bei Starbucks. Ich bin total verrückt nach diesem Hibiskustee, also zahle ich gern drei Euro für einen Becher heißes Wasser. Hauptsache es schmeckt.

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Mein Spaziergang führt mich vom Alex durch das Nikolaiviertel, wo ich die ersten Jahre meines Lebens verbracht habe. Das Geländer, an dem ich immer gelehnt und auf die Spree geblickt habe, ist nun durch einen riesigen Bauzaun blockiert. Aber das Denkmal steht noch da.

Und auf einmal rutscht mir das Herz in die Hose. Der Kloß in meinem Hals wird etwas größer, als ich meinen Spaziergang Richtung Friedrichstraße fortsetze. Vor etwas mehr als einem Jahr konnte ich mir nicht vorstellen, was es heißt, nicht dort zu leben, wo ich aufgewachsen bin. Berlin war selbstverständlich für mich, wo sollte ich auch sonst wohnen? Der Begriff Heimweh hat für mich eine neue Bedeutung bekommen.

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Inzwischen genieße ich jede Minute in Berlin, laufe einfach so durch die Gegend. Achte auf Dinge, die mir früher nie aufgefallen wären. Mit meiner Kamera sehe ich wahrscheinlich aus wie ein Touri – oder man hält mich einfach nur für bescheuert, weil ich an irgendwelchen Straßenkreuzungen stehen bleibe und alles abknipse. Nur sind das für mich nicht irgendwelche Straßenkreuzungen, sondern Kreuzungen, die ich früher tagtäglich überquert habe.

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Ich gehöre nicht zu den Berlinern, die alles außerhalb Berlins für komplett scheiße erklären (Sorry, die große Schnauze habe ich trotzdem). Im Gegenteil, meine Meinung ist, man sollte auch mal rausgekommen sein. Wie hätte ich auch wissen können, dass mich das Heimweh irgendwann mal so kalt erwischt?

Aber das ist kein Grund, jetzt in Melancholie zu verfallen. Nur ganz kurz.
Berlin wird immer ein Teil von mir bleiben und einen Platz in meinem Herzen haben. Mich überall hinbegleiten und ein warmes Gefühl in mir auslösen. Mich zum lächeln bringen und an die vielen wunderbaren Stunden erinnern.

Bis bald Berlin, ich freu mich schon aufs nächste Mal.

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