Sein silberner BMW.

Ihr Blick bleibt an dem Kennzeichen des silbernen BMW hängen, der durch die Nacht an ihr vorbeirauscht. Sie stellt sich vor, dass er anhält, sie anlächelt und ihr diesen Blick zuwirft, den sie so vermisst. Wenn sie doch nur noch einmal in seine braunen Augen schauen und ihm sagen könnte, was sie wirklich denkt.

„Hallo“, flüstert er beinahe und wirft ihr sein verschmitztes Lächeln zu. Seine Lippen haben sich gerade von ihren gelöst und als sich ihre Augen wieder öffnen, muss sie grinsen, weil sie dieses Kribbeln spürt.
„Hi“, antwortet sie ein wenig verlegen und mit leuchtenden Augen.
Für einen langen Moment schaut er sie intensiv an, dann löst sich seine Hand, mit der er sie sanft zu sich heran gezogen hatte, von ihrem Hals. Sie schließt ihre Augen noch einmal, atmet seinen Duft ein und ihr wird klar, dass es in diesem Moment keinen Ort gibt, an dem sie lieber wäre.
Als er in die Küche herüber geht, verfolgt sie ihn mit ihrem Blick.
„Sind deine Haare dunkler?“ Sie muss kurz überlegen.
„Ja“, antwortet sie ein wenig verdutzt. „Ich bin erstaunt, dass dir das auffällt.“
„Sieht gut aus.“ Für einen Moment herrscht Stille.
„Wie geht’s dir, was ist in deinem Leben so los?“, fragt er, als er die Weinflasche in die Hand nimmt. Sie beobachtet jeden seiner Handgriffe und bewundert das Geschick, mit dem er den Korken entfernt.
„Ich kann mich nicht beklagen. In der Uni ist gerade nicht viel los, also kann ich mich entspannt zurücklehnen, zumindest für eine Weile.“
„Du hast ein Leben!“ Er hebt die Augenbrauen und schüttelt leicht den Kopf, während ein Lächeln seine Lippen umspielt. Und dann schaut er zu ihr herüber und sie fragt sich, was er wohl gerade denkt. Er war kein Student mehr und schon so erwachsen – und sie noch so jung. Die Türklingel reißt sie aus ihren Gedanken. Er geht zur Wohnungstür und nimmt die Pizzen entgegen, die er für die beiden bestellt hatte. Selbst als die Pizza schon aufgegessen und der Rotwein geleert ist, reden die beiden noch stundenlang weiter, über dies und das und doch über nichts.

Er bringt sie zum Lachen, wie es bisher niemand geschafft hat. Und er tut ihr so gut. Sie genießt es, ihm zuzusehen, wenn er spricht, wenn er lacht und wenn er wild gestikuliert. Die Bewegung seiner Lippen und sein schönes Kinn verzaubern sie, ganz und gar.
„Gehen wir rüber?“, sagt er irgendwann und greift nach ihrer Hand. Sie weiß, dass sie es morgen bereuen wird, wieder bei ihm gewesen zu sein. Morgen, wenn sie gegangen ist und sich selbst dafür verflucht, ihm nicht gestanden zu haben, was sie wirklich fühlt.
Seine Haut ist warm und duftet so gut, als die beiden sich aneinander schmiegen. Die Küsse der beiden sind unglaublich heftig und sie zuckt beinahe zusammen, jedes Mal, wenn er mit seinen Lippen oder seinen Händen eine Stelle ihres Körpers berührt.
Bei ihm kann sie ihre Sorgen vergessen, ihre Ängste loslassen und einfach nur sie selbst sein. Sie genießt jeden Moment, in dem er bei ihr ist und verdrängt dabei den Gedanken, dass er sie bald vergessen haben wird.

 „Komm her.“ Er zieht sie sanft zu sich herüber, sodass sie ihren Kopf auf seiner Brust ablegen kann. Er streicht ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht, um dann mit seinem Handrücken an ihrer Wange entlang zu fahren. Ihre linke Hand streichelt über seinen Bauch und den Rest seines Oberköpers.
„Bist du müde?“
„Noch nicht.“ Sie möchte nicht, dass dieser Moment endet und hat Angst, einzuschlafen, weil dann der Morgen kommt. Wenn sie könnte, würde sie die Zeit anhalten, den Moment konservieren und diese Nacht niemals enden lassen.
Er erzählt ihr mehr von seiner Familie. Sie spricht viel über die neue Stadt, in der sie irgendwie klar kommen muss. Und er versteht sie so gut. Als sie einschlafen, geht die Sonne gerade auf.

Sie wacht auf und spürt seine Hand an ihrem Bauch. Sie ertappt sich bei dem Gedanken, wie schön es wäre, jeden Tag so aufzuwachen. Es ist Sonntag und die beiden liegen noch eine Weile im Bett, bevor sie sich schweren Herzens anzieht und er sie nach Hause fährt. In ihrer Straße angekommen, beugt er sich zu ihr herüber und gibt ihr noch einen dieser Küsse, von denen sie nicht genug bekommen kann. Sie dreht sich erst um, als sie die Haustür von innen schließt und erhascht gerade noch einen Blick auf ihn, dann fährt er davon, in seinem silbernen BMW.

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