Die beiden.

Die beiden standen an dem kleinen Strand in Limone am Gardasee. Nach einem gefühlten Marathon durch die brennende Hitze, die sich zwischen den Gebäuden des kleinen Ortes gestaut hatte, fanden sie, wonach sie gar nicht unbedingt gesucht hatten. Ihre eigene, kleine Oase. Kein Mensch dort, weit und breit, nur die beiden. Er legte seine Hände auf ihre Hüfte und zog sie sanft zu sich heran. Die Blicke der beiden verschmolzen, so sehr, dass sie die schweren Taschen abgelenkt in den heißen Sand fallen ließen. Und sie mussten grinsen, auch wenn es eigentlich keinen besonderen Grund dazu gab. Trotzdem zeichnete sich auf ihren Lippen das wohl herzlichste Lächeln ab, das er je gesehen hatte. Er liebte dieses Lächeln, fast so sehr wie ihre strahlenden Augen. Die beiden hätten sich auch in einem kleinen, heruntergekommenen Motelzimmer befinden können, ihre Gesichtsausdrücke wären dieselben gewesen. Denn sie waren zusammen, das war alles, was zählte. Und die beiden dachten, dass diese eine Sache sich nie ändern würde. Sie dachten nicht nur, sie gingen fest davon aus, dass es die beiden für immer geben würde.

Sie hat die gemeinsamen Fotos noch auf ihrem Laptop, weil sie die Erinnerungen nicht löschen wollte, schaut sie sich aber nie an. Er hat den Chat mit ihr noch auf seinem Handy, was jedoch mehr seiner Unachtsamkeit geschuldet ist, als dem Wunsch, wieder mit ihr Kontakt aufzunehmen. Die beiden waren im Streit auseinander gegangen. Es hatte keinen Gewinner und keinen Verlierer gegeben, nur zwei gebrochene Herzen und zerschmetterte Zukunftspläne.

Die beiden haben die gleichen Freunde und gehen auf die gleichen Parties, aber sie wechseln nie ein Wort miteinander. Sie sitzen mit ihren neuen Partnern auf derselben Couch und spielen dieses Spiel, in dem sie sich wie zwei Fremde behandeln. Obwohl die beiden mehr übereinander wissen als jeder andere, führen sie ihr Leben fort, als hätte es die beiden nie gegeben. Jeder für sich, nicht mehr zu zweit und nicht mehr geteilt. Weder sie, noch er möchte die beiden wiederhaben. Denn sie hat sich verändert und er hat sich verändert. Und weder sie, noch er kann sich vorstellen, dass sie ernsthaft einmal dachten, es würde die beiden für immer geben.

Inzwischen sind sie vorsichtig mit den zwei Wörtern. Denn für immer musste wirklich sehr lang sein, wenn nicht einmal die beiden es geschafft hatten.

 

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