Sich emotional zu entblößen, ist echt angsteinflößend.

Ich liebe dich, hab‘ ich so oft gedacht und nie gesagt und mich stattdessen viel zu oft gefragt, was passiert und wie du reagierst, wenn ich das jetzt wage und dir einfach in die Augen schaue und sage, da ist noch ein bisschen mehr, ich mag dich nicht nur sehr, ich bin verrückt nach dir und hab’ Angst, dass ich dich verlier’.

Aber ich wollte nicht den Eindruck wecken, dass ich anfange zu kletten, wollte nicht, dass du denkst, mit mir wär’s kompliziert, wollte vermeiden, dass du registrierst, dass ich mir viel zu oft den Kopf über dich zerbreche, dass ich nach deiner Aufmerksamkeit lechze und nicht schlafen kann, weil du dich wieder nicht gemeldet hast, obwohl du bei unserem letzten Treffen beinahe und fast, den Eindruck erweckt hast, ich bin dir besonders wichtig, aber so ganz richtig, konnte ich das nie einschätzen, nicht so wirklich die Aussage deuten zwischen deinen Sätzen und verstehen, was du vielleicht meinst, aber nicht laut sagst.

Und eigentlich kenne ich dich so gut, aber ich hatte nie den Mut, die Situation aufzuklären, trotzdem denk’ ich daran, wie schön wir beide gewesen wären, so als Paar und nicht nur als Affäre und wie traumhaft schön das Leben mit dir gewesen wäre.

Vielleicht hast du genauso über mich gedacht wie ich über dich, aber nie etwas gesagt und ich hab dich dummerweise auch nie danach gefragt, vielleicht mochtest du mich auch und hast dich so wie ich einfach nicht getraut, den Mund aufzumachen und etwas zu sagen, mich anzuschauen und mich zu fragen, was ich von dir halte und wohin das führen soll, vielleicht dachtest du auch, du und ich, das wär’ schon toll.

Vielleicht hat es nicht geklappt, weil wir Angst hatten, unsere Gefühle offen zu präsentieren, weil wir Angst hatten, zu verlieren und befürchtet haben, das Falsche zu sagen, denn einmal gesagt können wir die Worte nicht mehr zurück nehmen und noch einmal einen Schritt zurück gehen und wenn wir springen, können wir nur landen oder hinfallen, uns abfangen oder volle Kanne aufs Gesicht knallen.

Vielleicht war ich dir auch einfach egal und du hast nie so viel an mich gedacht, wie ich es mir gewünscht hab’, vielleicht war’s von deiner Seite auch nur ein Spiel und ganz und gar nicht so viel, wie ich da manchmal reininterpretier’, wenn ich die Kontrolle über meine Gedanken verlier’.

Ich hab’ nur leider nie erfahren, was du wirklich gedacht und wie du’s so über den Tag geschafft hast, als dann Funkstille war, weil ich’s nicht mehr ausgehalten habe, dass ich mich ständig frage, ob du dich nochmal meldest oder nicht, ob ich dich nochmal sehe oder du mich vergisst und ob du mich mehr magst als nur ein wenig und im Nachhinein muss ich sagen ich versteh‘ nicht, warum es so schwer war, die Filterfunktion zwischen Kopf und Mund zu deaktivieren, denn eigentlich hatte ich nichts zu verlieren.

Nichts zu sagen hat nicht viel gebracht, dabei hab‘ ich immer gedacht, wenn ich dich nicht zu sehr nerve und die Coole spiele, dass ich dich dann bestimmt nicht verliere und du es zu schätzen weißt, dass ich für dich in den sauren Apfel beiß’. Aber du wusstest ja nie, dass es überhaupt einen sauren Apfel gab, denn ich hab‘ nie etwas getan, das dir gezeigt haben könnte, wie viel du mir bedeutest, die Gedanken waren nur in meinem Kopf so laut, aber sie laut auszusprechen habe ich mich nie getraut.

Lieber gehe ich davon aus, dass das mit dir und mir sowieso nicht klappt, weil ich es nicht schaff’, meine Vermutungen auf ihren Wahrheitsgehalt zu kontrollieren und es bevorzuge, vor mich hinzustieren und mich mit etwas abzufinden, von dem ich mir nicht mal sicher sein kann, ob es wirklich stimmt, denn die Grundlage dieses Halbwissens ist nur darauf getrimmt, möglichst nicht zu viel zu zeigen und zu geben, um zu vermeiden, am Ende dumm da zu stehen.

Mein Schatten war zum Rüberspringen wahrscheinlich einfach zu groß und mein eigener Stolz zu präsent und ich dachte mir, eh ich mich hier in irgendetwas Merkwürdigem verrenn’, kann ich’s auch dabei belassen, wie es ist, weil du offensichtlich nicht wie ich so emotional abhängig bist. Aber statt zu viele Gedanken daran zu verschwenden, was du denkst und alles zu zerdenken, wär’s besser gewesen, die Maske abzulegen und einfach mit dir darüber zu reden. Vielleicht war ich mir auch einfach nicht sicher, ob du es wert bist, den Sprung zu wagen, aber so viel wie ich darüber nachgedacht habe, ist das eigentlich keine Frage.

Ich denke immer so viel und sagen tue ich dann so wenig oder nichts, ich glaub’, ich hab’ einfach zu viel Schiss, wie es ankommt, wenn ich sage, was ich wirklich fühle und dann denk’ ich, dass ich vielleicht lieber lüge, auch wenn ich mich dann selbst betrüge, nur um meinem Gegenüber und besonders dir besser zu gefallen und cool zu scheinen, mich nicht schwach zu zeigen und Gefahr zu laufen, auf einen harten Boden zu knallen.

Niemand will sich verletzlich und angreifbar zeigen, deshalb kennen wir von uns gegenseitig auch nur die Seiten, die stark sind und selbstbewusst, die Seiten, die man mögen muss, aber sich auch mal echt zu geben und sich emotional zu entblößen, kann, auch wenn erst echt angsteinflößend, eine Bereicherung sein.

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2 Gedanken zu “Sich emotional zu entblößen, ist echt angsteinflößend.

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